# Preisspiegel: Angebote für Baustoffe richtig vergleichen

> Was ein Preisspiegel ist, wie Sie ihn für Materialausschreibungen aufbauen, Einheiten normalisieren, Nebenangebote werten und nach Gesamtkosten vergeben.

Ein Preisspiegel ist eine Tabelle, die mehrere Angebote Position für Position nebeneinanderstellt, damit Einheitspreise, Positionssummen und Gesamtkosten direkt vergleichbar sind. Im Baustoffeinkauf ist er die Grundlage jeder Vergabe: Er zeigt, welcher Lieferant je Position am günstigsten ist, wo Angebote Lücken haben und welcher Bieter unter dem Strich – inklusive Fracht und Konditionen – das wirtschaftlichste Angebot abgegeben hat.

## Was ist ein Preisspiegel?

Der Aufbau ist immer gleich: In den Zeilen stehen die Positionen der Anfrage oder des Leistungsverzeichnisses mit Menge und Einheit, in den Spalten die Bieter. Jede Zelle enthält Einheitspreis und Positionssumme. Darunter folgen Zwischensummen, Nebenkosten wie Fracht, Zuschläge und Nachlässe sowie die Konditionen. Eine Zusammenfassung mit Bieter-Ranking schließt den Preisspiegel ab.

Im Bauwesen wird der Preisspiegel sowohl für Nachunternehmerleistungen als auch für reine Materialausschreibungen genutzt. Bei Baustoffen ist er besonders anspruchsvoll, weil jeder Händler anders anbietet: andere Artikelnummern, andere Gebindegrößen, andere Einheiten, Fracht mal inklusive, mal als Pauschale.

## Warum der Preisspiegel im Baustoffeinkauf entscheidet

Material macht bei vielen Bauprojekten einen großen Teil der Kosten aus. Wer hier auf Basis der Angebotssumme vergibt, vergleicht oft Äpfel mit Birnen: Ein Angebot wirkt günstig, weil Positionen fehlen, weil die Fracht separat berechnet wird oder weil die Gebindegröße zu Mehrmengen zwingt. Ein sauber aufgebauter Preisspiegel macht diese Unterschiede sichtbar – und er dokumentiert die Vergabeentscheidung für Geschäftsführung, Bauleitung und gegebenenfalls den Auftraggeber.

Zudem ist der Preisspiegel das beste Werkzeug für die Verhandlung. Wer weiß, dass Bieter B bei Betonstahl 5 % über dem besten Preis liegt, kann gezielt nachverhandeln statt pauschal Rabatt zu fordern.

## So bauen Sie einen Preisspiegel für eine Materialausschreibung auf

1. **Einheitliche Anfrage versenden.** Je strukturierter die Anfrage – idealerweise als LV oder GAEB-Datei mit festen Ordnungszahlen – desto leichter lassen sich die Antworten zuordnen. Mehr dazu im Artikel zu [GAEB](https://www.streckenheld.com/wissen/gaeb.md).
2. **Positionen zuordnen.** Jede Angebotszeile wird der passenden Position der Anfrage zugeordnet, über Ordnungszahl, Artikelnummer, EAN oder Beschreibung.
3. **Einheiten normalisieren.** Preise je kg werden auf t umgerechnet, Paketpreise auf m², Palettenpreise auf Stück. Prüfen Sie dabei Gebindegrößen: Wer nur ganze Pakete liefert, berechnet faktisch Mehrmengen.
4. **Lücken kennzeichnen.** Nicht angebotene Positionen bleiben sichtbar und werden für den Gesamtvergleich mit einem nachvollziehbaren Ansatz bewertet.
5. **Nebenangebote getrennt werten.** Ein Nebenangebot (etwa ein anderes Produkt, das der Bieter für gleichwertig hält) gehört in eine eigene Spalte. Erst technisch prüfen, dann preislich einordnen.
6. **Gesamtkosten bilden.** Fracht, Maut- und Kranzuschläge, Mindermengenzuschläge, Pfand und Skonto kommen als eigene Zeilen dazu.
7. **Ranking und Entscheidung.** Bieter nach Gesamtkosten sortieren, dann Lieferfähigkeit, Termine und Erfahrungen gewichten.

## Beispiel: Preisspiegel mit drei Bietern

Ausschreibung für ein Mehrfamilienhaus, alle Beträge netto:

| Position | Menge | Bieter A | Bieter B | Bieter C |
|---|---|---|---|---|
| Betonstahlmatten Q188A | 12 t | 1.020 €/t = 12.240,00 € | 1,05 €/kg → 1.050 €/t = 12.600,00 € | 995 €/t = 11.940,00 € |
| XPS-Dämmplatte 120 mm | 850 m² | 18,40 €/m² = 15.640,00 € | 112,00 €/Paket (6 m²), 142 Pakete = 15.904,00 € | 17,90 €/m² = 15.215,00 € |
| Dünnbettmörtel 25 kg | 120 Sack | 9,60 € = 1.152,00 € | 9,20 € = 1.104,00 € | nicht angeboten (Ansatz 1.152,00 €) |
| Fracht und Zuschläge | | frei Baustelle = 0,00 € | 2 Fuhren à 180 € = 360,00 € | 3 Fuhren à 210 € + Maut 45 € = 675,00 € |
| **Summe netto** | | **29.032,00 €** | **29.968,00 €** | **28.982,00 €** |
| Skonto | | 2 % = −580,64 € | – | – |
| **Gesamtkosten** | | **28.451,36 €** | **29.968,00 €** | **28.982,00 €** |
| **Rang** | | **1** | **3** | **2** |

Auf den ersten Blick wirkt Bieter C am günstigsten: Seine angebotenen Positionen summieren sich auf nur 27.155,00 €. Doch C hat den Mörtel nicht angeboten und berechnet drei Fuhren plus Maut. Bieter B rechnet in kg und Paketen; erst nach der Umrechnung zeigt sich, dass er bei beiden Hauptpositionen teurer ist. Bieter A gewinnt am Ende durch „frei Baustelle“ und 2 % Skonto – sofern die Rechnungen fristgerecht bezahlt werden.

Bietet C zusätzlich als Nebenangebot EPS statt XPS an, kommt dieses Angebot in eine eigene Spalte. Ob EPS für den Einsatzort (etwa Perimeterdämmung) überhaupt zulässig ist, klärt die Bauleitung, bevor der Preis eine Rolle spielt.

## Häufige Fehler beim Preisspiegel

- **Nach Angebotssumme vergeben.** Ohne Lückenbewertung und Nebenkosten gewinnt oft das unvollständigste Angebot.
- **Einheiten nicht umrechnen.** €/kg und €/t, Paket und m² sehen ähnlich aus, ergeben aber falsche Ranglisten.
- **Gebindegrößen übersehen.** Aufgerundete Pakete oder Paletten sind echte Mehrkosten.
- **Fracht pauschal ignorieren.** Gerade bei kleinen Abrufen und weit entfernten Baustellen entscheiden Fracht und Maut über das Ranking.
- **Nebenangebote vermischen.** Ein nicht gleichwertiges Nebenangebot im Hauptvergleich verzerrt die Entscheidung.
- **Nach der Vergabe nicht nachhalten.** Wer die vereinbarten Preise nicht gegen spätere Rechnungen prüft, verliert den Vorteil der Ausschreibung wieder. Mehr dazu unter [4-Wege-Abgleich](https://www.streckenheld.com/wissen/4-wege-abgleich.md).

## So hilft Streckenheld

Streckenheld sammelt die Angebote aller Lieferanten – über das Portal, als PDF, Scan oder GAEB-Datei – und ordnet jede Zeile Ihren Positionen zu, per EAN, Artikelnummer und Position. Daraus entsteht eine Preismatrix mit dem günstigsten Preis je Position; nicht angebotene Positionen erscheinen als Lücke. Ein KI-Vergleich nach Kategorien empfiehlt je Kategorie einen Lieferanten und berücksichtigt neben dem Preis auch Abdeckung, Zahlungsbedingungen und Lieferung. Im Verhandlungsmodus testen Sie Preisänderungen, bevor Sie zum Hörer greifen. Das angenommene Angebot wird zum Rahmenvertrag, gegen den künftige Bestellungen und Rechnungen geprüft werden.

Den Ablauf beschreiben die Ratgeber [Angebote vergleichen](https://www.streckenheld.com/ratgeber/angebote-vergleichen.md) und [Anfragen und Angebotsvergleich](https://www.streckenheld.com/ratgeber/anfragen-angebotsvergleich.md). Wie die Vergabe danach gegen Einkäufe am Vertrag vorbei geschützt wird, lesen Sie unter [Maverick Buying](https://www.streckenheld.com/wissen/maverick-buying.md).

## Häufige Fragen

### Was ist der Unterschied zwischen Preisspiegel und Bieterspiegel?

Die Begriffe werden oft gleich verwendet. Manche verstehen unter Bieterspiegel die kompakte Übersicht der Angebotssummen je Bieter, unter Preisspiegel die positionsgenaue Gegenüberstellung aller Einheitspreise.

### Wie gehe ich mit Positionen um, die ein Bieter nicht angeboten hat?

Lücken sollten sichtbar bleiben und für den Gesamtvergleich mit einem nachvollziehbaren Ansatz gefüllt werden, etwa dem höchsten angebotenen Preis oder dem eigenen Budgetpreis. Sonst wirkt ein unvollständiges Angebot künstlich günstig.

### Gehört Skonto in den Preisspiegel?

Ja, als eigene Zeile und nicht im Einheitspreis versteckt. Bewerten Sie Skonto aber nur dann als Vorteil, wenn Ihre Rechnungsprüfung die Frist auch zuverlässig einhält.

### Mit welchem Programm erstellt man einen Preisspiegel?

Viele Einkäufer nutzen Excel oder die Ausschreibungsmodule von AVA- und ERP-Systemen. Aufwendig ist weniger die Tabelle als das Übertragen und Angleichen der Angebote; das kann eine KI-gestützte Lösung übernehmen.

### Wie viele Angebote sollte ein Preisspiegel enthalten?

Eine feste Regel gibt es im privaten Einkauf nicht. Drei bis fünf vergleichbare Angebote je Gewerk oder Materialpaket sind in der Praxis üblich, damit der Preisspiegel aussagekräftig bleibt.

## Weiterlesen

- [Angebote vergleichen, verhandeln und den besten Lieferanten wählen](https://www.streckenheld.com/ratgeber/angebote-vergleichen.md): Stellen Sie jedes Lieferantenangebot in einem Preisspiegel gegenüber, lassen Sie die KI je Kategorie den besten Lieferanten empfehlen, simulieren Sie Verhandlungen und machen Sie aus dem Siegerangebot einen Vertrag. Fairer, schneller, positionsgenauer Angebotsvergleich.
- [Anfragen (RFQs) und KI-Vergleich](https://www.streckenheld.com/ratgeber/anfragen-angebotsvergleich.md): Senden Sie eine einzige Stückliste an mehrere Lieferanten, sammeln Sie deren Angebote und lassen Sie die KI sie nebeneinander vergleichen – auch Angebote, die außerhalb des Systems eingegangen sind. Angenommene Angebote werden mit einem Klick zu Rahmenverträgen.
- [GAEB: Formate, Datenaustauschphasen und Praxis im Bau](https://www.streckenheld.com/wissen/gaeb.md): GAEB einfach erklärt: GAEB 90, GAEB 2000 und DA XML, die Datenaustauschphasen X81 bis X86 und wie das LV vom Planer bis zum Lieferanten fließt.
- [Maverick Buying: Einkauf am Vertrag vorbei im Bau](https://www.streckenheld.com/wissen/maverick-buying.md): Was Maverick Buying ist, warum es auf Baustellen so häufig vorkommt, was es kostet und wie Sie die Maverick-Buying-Quote messen und gezielt senken.

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Source: https://www.streckenheld.com/wissen/preisspiegel
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